Familien demonstrieren in Venezuelas Hauptstadt Caracas für die Freilassung ihrer Angehörigen, die bei regierungskritischen Protesten festgenommen wurden (29. Juli 2024) © Laura Rangel
Offen
Urgent Action − Venezuela

Einige Freilassungen, Hunderte Menschen weiterhin in Haft

Die 16-jährige Samantha Hernández wurde am 18. Mai 2026 unter Auflagen freigelassen. Ihre Schwester, Aranza Hernández, war zum Zeitpunkt ihrer willkürlichen Festnahme am 20. November 2025 19 Jahre alt. Sie wird weiterhin rechtswidrig festgehalten. Etwa 500 - 600 Personen befinden sich nach wie vor aus politischen Gründen in willkürlicher Haft, darunter Emirlendris Benítez und Juan Carlos Marrufo. Beide benötigen dringend medizinische Hilfe. Das Schicksal und der Verbleib einiger mutmasslicher Gefangener, wie Jorgen Guanares, sind nach wie vor unbekannt. Amnesty International fordert den Generalstaatsanwalt auf, für die sofortige Freilassung aller willkürlich Inhaftierten zu sorgen, ihr Schicksal und ihren Aufenthaltsort bekannt zu geben und eine angemessene medizinische Versorgung zu gewährleisten, solange sie sich in Gewahrsam befinden.

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Generalstaatsanwalt:
Larry Devoe, Fiscal General

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Edificio Ministerio Público, PB, Av. Urdaneta, esquinas de Ánimas a Platanal, Caracas, Venezuela
c/o Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela
Waldeggstrasse 47
Postfach 237
3097 Liebefeld

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Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela
Waldeggstrasse 47
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Fax: 031 371 64 69
E-Mail: embajada@embavenez-suiza.ch

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#Venezuela #QueSeanTodos #QueSeanTodas 
 
ES: 
#Venezuela: Aranza Hernández y cientos de personas más siguen detenidas arbitrariamente en el país. A muchas se les está negando atención médica, como a Emirlendris Benítez y Juan Carlos Marrufo. ¡@LarryDevoe, garantice la salud de las personas detenidas, cierre las investigaciones injustas y libere a todas las personas detenidas arbitrariamente!

EN:
#Venezuela: Aranza Hernández and hundreds of others are still arbitrarily detained. Many are being denied medical care, such as Emirlendris Benítez and Juan Carlos Marrufo. @LarryDevoe, guarantee the health of those detained, close unfair investigations and release all those arbitrarily detained! 

Hintergrund

Die venezolanischen Behörden weigern sich weiterhin, alle willkürlich inhaftierten Personen freizulassen. Diese Weigerung ist umso grausamer, als der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, wiederholt die Freilassung von Hunderten von willkürlich Inhaftierten angekündigt hat. Einmal mehr zeigen die Behörden, dass sie den Hoffnungen und dem Leiden der Opfer und ihrer Angehörigen keine Bedeutung beimessen, obwohl die Angehörigen trotz der weit verbreiteten Grausamkeiten und des systembedingten Unrechts unermüdlich die Freilassung ihrer Familienmitglieder fordern.

Hochrangige Regierungsvertreter*innen erkennen stillschweigend an, dass Hunderte von Menschen zu Unrecht in staatlichem Gewahrsam festgehalten werden. Dennoch handeln sie nicht entschlossen, um diese Situation zu beenden, obwohl sie die Befugnis haben, dies zu tun. Die Freilassung der willkürlich Inhaftierten ist dringend notwendig, wie die der Teenagerin Samantha Hernández am 18. Mai und einiger anderer in den Tagen darauf.

Die venezolanischen Behörden müssen daran erinnert werden, dass willkürliche Inhaftierungen eine schwerwiegende Menschenrechtsverletzung darstellen, die häufig durch andere, nach dem Völkerrecht verbotene Handlungen in Venezuela noch verstärkt wird, darunter das Verschwindenlassen, Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung. Dies gilt beispielsweise für Jorgen Guanares, dessen Schicksal und Verbleib seit August 2024 unbekannt ist, sowie für Emirlendris Benítez und Juan Carlos Marrufo, denen derzeit eine angemessene medizinische Versorgung verweigert wird, obwohl sie diese dringend benötigen.

Familien, Gemeinschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen sind gezwungen, mit der Ungewissheit umzugehen, nicht zu wissen, was mit den Inhaftierten geschehen könnte, was sogar den Tod in der Haft bedeuten könnte, wie im schockierenden Fall von Victor Hugo Quero Navas. Die Resilienz und Stärke seiner Mutter, Carman Navas, die über ein Jahr versuchte, das Schicksal ihres Sohnes aufzuklären, stiess auf grosse nationale und internationale Solidarität. Allerdings starb sie wenige Tage, nachdem sie erfahren hatte, dass ihr Sohn nicht mehr lebte.

Die Regierung geht seit Langem mit willkürlicher Inhaftierung gegen politisch Andersdenkende vor, um jede Form von Kritik zu unterdrücken. Häufig werden Menschen zwar freigelassen, dann aber direkt wieder festgenommen und inhaftiert. Gleichzeitig werden freigelassene Personen weiterhin willkürlich strafrechtlich verfolgt und in ihrer Freiheit eingeschränkt, was ein Klima der Angst schafft und Menschenrechtsverletzungen Vorschub leistet. Nach den Wahlen vom 28. Juli 2024 eskalierte die Situation: mehr als 2.000 Personen wurden aus politischen Gründen willkürlich inhaftiert. Viele von ihnen wurden scheinbar ohne jede Grundlage des Terrorismus und der Anstiftung zum Hass angeklagt, darunter auch schutzbedürftige Gruppen wie Kinder und Menschen mit Behinderungen.

Zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 haben die venezolanischen Behörden langsam und sporadisch einige willkürlich Inhaftierte freigelassen, die meisten mit Auflagen und unter Aufrechterhaltung der strafrechtlichen Ermittlungen oder Anklagen gegen sie. Am 3. Januar wurden der venezolanische Präsident Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores von Streitkräften der USA entführt, woraufhin Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin ernannt wurde. Einige Tage später machte Jorge Rodríguez die Ankündigung, dass eine «beträchtliche Anzahl» der inhaftierten Personen freigelassen werde. Auch im Mai kündigte er die Freilassung von «dreihundert» Gefangenen an. Am 25. Mai waren nach Angaben der venezolanischen NGO Foro Penal noch immer mindestens 457 Menschen aus politischen Gründen willkürlich inhaftiert, wobei andere lokale NGOs wie Justicia, Encuentro y Perdón eine Zahl von über 600 Personen angeben.

Seit 2020 haben Berichte der unabhängigen internationalen Untersuchungsmission der Vereinten Nationen für die Bolivarische Republik Venezuela (FFM) Hunderte von Fällen von aussergerichtlichen Hinrichtungen, Verschwindenlassen, willkürlichen Inhaftierungen, Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung, die seit 2014 im Land begangen wurden, dokumentiert. Ebenfalls belegen die Berichte die Art und Weise, in der das Justizsystem als Instrument für die Unterdrückungspolitik der Regierung dient, und kommen zu dem Schluss, dass einige dieser internationalen Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Insbesondere im Jahr 2024 gelangte die FFM zu der Erkenntnis, dass sie «hinreichende Gründe für die Annahme hat, dass das Verbrechen der Verfolgung aus politischen Gründen während des von ihrem Mandat abgedeckten Zeitraums begangen wurde». Ihre Schlussfolgerungen wurden in ihrem Bericht für das Jahr 2025 erneut bekräftigt.

Die Regierung fährt damit seit Langem eine repressive und auf Schikane, Strafverfolgung und Zensur beruhende Linie gegen Aktivist*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für den Schutz der Rechte der Venezolaner*innen einsetzen. In Venezuela herrscht derweil eine komplexe humanitäre und menschenrechtliche Krise, die dazu geführt hat, dass so viele Menschen wie nie zuvor das Land verlassen haben, um im Ausland Schutz zu suchen. Bis Mai 2025 waren 7,9 Millionen Menschen aus Venezuela geflohen.

Seit November 2021 führt die Anklagebehörde des Internationalen Strafgerichtshofs ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren zu der Lage in Venezuela durch und konzentriert sich dabei insbesondere auf von den Sicherheitskräften, zivilen Behörden und regierungstreuen Gruppen (Colectivos) mindestens seit April 2017 begangene Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie «Inhaftierung und andere schwere Formen des Entzugs der körperlichen Freiheit; Folter; Vergewaltigung und andere Formen der sexualisierten Gewalt [sowie] Verfolgung aus politischen Gründen».

Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum | Aktualisiert am:
Index:
UA 072/24-6
16.04.2026 | 26.05.2026
AMR 53/0884/2026
Voraussichtlich mitmachen bis: 30. August 2026
Ganze Urgent Action (Word): deutsch
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
english
español

Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.

English version

Few releases, hundreds remain detained

Venezuelan 16-year-old Samantha Hernández was conditionally released on 18 May 2026. Her sister, Aranza Hernández, was 19-years-old at the time of her arbitrary detention on 20 November 2025 and remains unfairly detained. Approximately 500-600 people continue arbitrarily detained for political reasons, including Emirlendris Benítez and Juan Carlos Marrufo, who are in urgent need of medical assistance. The fate and whereabouts of some presumed detainees remain unknown, like Jorgen Guanares. We call on the Attorney General to ensure the immediate release of all those arbitrarily detained and, while in custody, to disclose their fate and whereabouts and guarantee adequate medical care.

The Venezuelan government’s long-standing policy of repression to silence any form of real or perceived dissent has continuously used politically motivated arbitrary detentions to persecute people in Venezuela. Throughout many years, authorities have implemented a so-called «revolving door» of detentions, whereby releases are usually followed by new detentions. Similarly, those released are kept subjected to arbitrary criminal proceedings and restrictions to their liberty, perpetuating fear, revictimization, and human rights violations. This practice reached a historic peak after the 28 July 2024 election, which saw over 2,000 people arbitrarily detained for political reasons, many of them charged with seemingly unfounded counts of terrorism and incitement of hatred, including vulnerable groups such as children and people living with disabilities.

Between December 2025 and May 2026, Venezuelan authorities have slowly and sporadically released a few hundred victims of politically motivated arbitrary detention, most on conditional release and maintaining the criminal investigations or charges against them. On 3 January, USA’s military action in Venezuela led to the capture of Nicolás Maduro and Cilia Flores, and the swearing in of Delcy Rodriguez as acting president of Venezuela. A few days later, National Assembly president, Jorge Rodríguez, announced that a «significant number» of people detained will be released. Again in May, he announced the release of «three hundred» detainees. As of 25 May, at least 457 people remained arbitrarily detained for political reasons, according to Venezuelan NGO Foro Penal, with other local NGOs -like Justicia, Encuentro y Perdón- raising that figure to over 600.

Within this policy of repression, the government has continually harassed, prosecuted and censored activists and civil society organizations working to protect the rights of Venezuelans amidst a complex humanitarian emergency and a deep human rights crisis that is making Venezuelans flee in unprecedented numbers in search of safety and protection. By May 2025, 7.9 million had fled Venezuela.

Since 2020, reports from the UN independent international fact-finding mission on the Bolivarian Re-public of Venezuela (FFM) have thoroughly documented hundreds of cases of extrajudicial executions; enforced disappearances; arbitrary detentions; and torture and other cruel, inhuman or degrading treatment committed in the country since 2014; as well as the ways in which the justice system serves as a tool for the government’s policy of repression, establishing that some of these international crimes and human rights violations amount to crimes against humanity. Specifically in 2024, the FFM concluded that it has «reasonable grounds to believe that the crime of persecution on political grounds has been committed during the timeframe covered by its mandate». Its conclusions were once again reiterated in its 2025 reporting.

Since November 2021, the Office of the Prosecutor of the International Criminal Court is conducting a criminal investigation into the situation in Venezuela, specifically regarding the «[c]rimes against humanity of deprivation of liberty or other serious deprivation of physical liberty (…); torture (…); rape and/or other forms of sexual violence of comparable severity (…); and politically motivated persecution against persons detained (…), which were committed since at least April 2017, by members of the State security forces, civil authorities and pro-government persons (or groups called «collectives»).

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Please take action before 30 August 2026.

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