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Urgent Action − Marokko

Drei Jahre Haft für Bloggerin und Menschenrechtlerin

Die marokkanische Bloggerin und Menschenrechtlerin Saida El Alami verbüsst eine ungerechtfertigte Gefängnisstrafe, weil sie ihre Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit wahrgenommen hat. Sie wurde festgenommen, nachdem sie eine Protestveranstaltung gegen Todesfälle in Gewahrsam per Livestream übertragen hatte. Im September 2025 verurteilte ein Strafgericht sie zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe. Grundlage waren Social-Media-Beiträge und öffentliche Äusserungen, in denen sie die Behörden kritisierte und mutmassliche Korruption und Menschenrechtsverletzungen anprangerte.

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Setzen Sie sich für Saida El Alami ein:
Senden Sie einen Appellbrief per Post, Fax oder über X/Twitter.
Senden Sie Kopien per E-Mail an die angegebenen Personen.

Mitmachen bis 9. Januar 2027

Briefvorlagen

Adressen

Regierungschef:
Aziz Akhannouch
Chef du gouvernement
Palais Royal Touarga
Rabat 10070
MAROKKO
Fax: (00 212) 53 777 10 10
X/Twitter: @ChefGov_ma

Kopien an 

Botschaft des Königreichs Marokko
Helvetiastrasse 42
3005 Bern
Fax: 031 351 03 64
E-Mail: ambmaroc.berne@maec.gov.ma
 
Minister of Justice Abdellatif Ouahbi  
E-Mail:  contact@justice.gov.ma 
  
Mme Amina Bouayach   
Presidente du conseil national des droit de l’homme  
E-Mail: CNDH@CNDH.org.ma

Social Media Guide

Suggested messages:

Human rights defender Saida El Alami is behind bars solely for peacefully exercising her right to freedom of expression. UN experts have found her detention arbitrary. Moroccan authorities must immediately and unconditionally release her. #FreeSaidaElAlami 

Human rights defender Saida El Alami remains unjustly imprisoned in Morocco. According to family members, her health has severely deteriorated in detention and she has developed diabetes and high blood pressure. She must be released immediately. #FreeSaidaElAlami 

 

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@AmnestyMENA 

Hintergrund

Die Menschenrechtsverteidigerin und Bloggerin Saida El Alami ist in Marokko in Haft. Sie wurde am 1. Juli 2025 in Casablanca von Polizist*innen in Zivil festgenommen, nachdem sie eine Protestveranstaltung gegen Todesfälle in Gewahrsam per Livestream übertragen hatte. Am 16. September 2025 verurteilte sie das Strafgericht erster Instanz in Ain Sebaa (Tribunal de première instance d'Aïn Sebaâ) in Casablanca zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von 20'000 Dirham (etwa 1'870 Euro). Grundlage waren Social-Media-Beiträge und öffentliche Äusserungen, in denen sie die Behörden kritisierte und mutmassliche Korruption und Menschenrechtsverletzungen aufdeckte. Am 17. Dezember bestätigte das Berufungsgericht von Casablanca sowohl die Verurteilung als auch das Strafmass.

Laut Gerichtsunterlagen, die von Amnesty International eingesehen wurden, beruhen die Vorwürfe gegen Saida El Alami auf zahlreichen Facebook-Beiträgen und -Videos. Darin prangerte sie mutmassliche Fälle von Korruption an, kritisierte willkürliche Inhaftierungen, forderte die Freilassung von Personen, die aus politisch motivierten Gründen inhaftiert waren, äusserte sich zu Haftbedingungen und Menschenrechtsverletzungen, und stellte die Unabhängigkeit der Justiz infrage. Die Behörden nutzten diese Beiträge als Beweise, um sie wegen «Diffamierung eines Staatsorgans», «Beleidigung von Beamt*innen im Dienst» und «unerlaubte Übertragung und Verbreitung falscher Behauptungen» (Paragraf 263, 265 und 2-447 des Strafgesetzbuchs) zu verurteilen. Diese Verurteilung und das verhängte Strafmass verstossen gegen internationale Menschenrechtsnormen, in denen das Recht auf Kritik an Amtsträger*innen, staatlichen Institutionen und Justizorganen verankert ist.

Nach Angaben von Familienangehörigen ist Saida El Alami in der Haft Schikanen und Misshandlungen ausgesetzt. Als sie im Dezember 2025 im Oukacha-Gefängnis in Casablanca inhaftiert war, beleidigten ihre Mithäftlinge sie und zerrissen ihre Kleidung. Gefängniswärter*innen besprühten sie mit einem Wasserschlauch. Nach ihrer Verlegung in das Dar-Beida-Gefängnis im Januar 2026 gingen die Schikanen weiter. Andere Häftlinge bedrohten sie und sie wurde über längere Zeiträume hinweg in Isolationshaft gehalten. Dabei wurde ihr bis zu drei Wochen lang der Zugang zum Gefängnishof verweigert. Familienangehörige berichten über haarsträubende Haftbedingungen: so herrschten in den Zellen extrem hohe Temperaturen und die hygienischen Verhältnisse seien schlecht.

Seit ihrer Inhaftierung hat sich der Gesundheitszustand von Saida El Alami erheblich verschlechtert. Nach Angaben ihrer Familie hat sie Diabetes und Bluthochdruck entwickelt, mehr als 20 Kilo abgenommen und Schwierigkeiten beim Gehen. Im April 2026, kurz nachdem Saida El Alami einen Hungerstreik durchgeführt hatte, konnte ihre Familie zwei Wochen lang keinen Kontakt zu ihr aufnehmen und sah sie erst wieder, nachdem die Angehörigen öffentlich Bedenken hinsichtlich ihres Verbleibs äusserten. Bei diesem Besuch fanden sie die Bloggerin im Rollstuhl vor. Sie wirkte extrem geschwächt und hatte blasse Haut. Ihre Lippen bluteten, weil sie so stark dehydriert war. Ihre Familie macht sich grosse Sorgen um die körperliche und geistige Gesundheit von Saida El Alami, da sie offenbar keinen angemessenen Zugang zur Gesundheitsversorgung hat.

 

Die Menschenrechtlerin und Bloggerin Saida El Alami ist in Marokko bekannt dafür, dass sie Korruption und Menschenrechtsverletzungen anprangert. Sie ist Mitglied des Kollektivs Femmes Marocaines Contre la Détention Politique, einer Bewegung von Menschenrechtlerinnen, die sich gegen politisch motivierte Inhaftierungen einsetzt.

Die Behörden haben Saida El Alami wegen ihres friedlichen Engagements und ihrer Äusserungen im Internet wiederholt ins Visier genommen. Die Polizei nahm sie am 23. März 2022 fest, nachdem sie tags zuvor in den Sozialen Medien einen Beitrag geteilt hatte, in dem sie Sicherheitskräfte dafür kritisierte, bei ihren Nachbar*innen Nachforschungen über sie angestellt zu haben. Darüber hinaus hatte sie einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie mutmassliche korrupte Handlungen im Justizwesen anprangerte. Sie wurde damals vor einem Gericht in Casablanca wegen «Diffamierung eines Staatsorgans», «Beleidigung von Beamt*innen im Dienst», «Missachtung von Gerichtsentscheidungen» und «unerlaubter Übertragung und Verbreitung falscher Behauptungen» (Paragraf 265, 263, 266 und 2-477 des Strafgesetzbuchs) angeklagt. Im April 2022 erhielt sie eine zweijährige Freiheitsstrafe. Im Berufungsverfahren vom September 2022 wurde ihre Strafe auf drei Jahre erhöht. Im Juli 2024 wurde sie nach einer Begnadigung durch den König freigelassen.

Während des jüngsten Verfahrens gegen sie beschwerten sich Saida El Alami und ihre Rechtsbeistände über Verstösse gegen ihre Verfahrensrechte. So hatte sie nach ihrer Festnahme 48 Stunden lang keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand. Am 14. Juli 2025 trat Saida El Alami in den Hungerstreik, um gegen ihre Festnahme und Strafverfolgung zu protestieren, die sie als willkürlich und als Bestrafung für ihre Menschenrechtsarbeit betrachtet.

Im März 2026 kam die UN-Arbeitsgruppe gegen willkürliche Inhaftierungen zu dem Schluss, dass die Inhaftierung von Saida El Alami willkürlich ist und den internationalen menschenrechtlichen Verpflichtungen Marokkos zuwiderläuft. Die Arbeitsgruppe forderte die marokkanischen Behörden auf, die Bloggerin sofort freizulassen, ihr einen einklagbaren Anspruch auf Entschädigung und andere Formen der Wiedergutmachung zu gewähren und die gegen sie begangenen Verstösse zu untersuchen.

Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum | Aktualisiert am:
Index:
UA 072/26
06.07.2026 | -
MDE 29/1271/2026
Voraussichtlich mitmachen bis: 9. Januar 2027
Ganze Urgent Action (Word): deutsch
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
english
français (folgt inKürze)

Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.

English version

Human rights defender behind bars

Moroccan human rights defender and blogger Saida El Alami is serving an unjust three-year prison sentence solely for exercising her rights to freedom of expression and peaceful assembly. On 1 July 2025, plain-clothes police officers arrested her in Casablanca after she livestreamed a protest concerning death in custody. On 16 September 2025, the Criminal Court of Ain Sebaa in Casablanca sentenced her to three years in prison and a fine of 20.000 dirhams (approximately 1870 euros) for social media posts and public statements criticizing the authorities and exposing alleged corruption and human rights violations. On 17 December 2025, the Casablanca Court of Appeal upheld her conviction and sentence. Moroccan authorities must immediately and unconditionally release Saida El Alami and quash her conviction.

Saida El Alami is a human rights defender and blogger known for being outspoken on corruption, human rights violations and freedom of expression in Morocco. She is a member of the collective «Femmes Marocaines Contre la Détention Politique», a movement of women human rights defenders that denounces politically motivated detentions.

Authorities have repeatedly targeted Saida El Alami for her peaceful activism and online expression. Police arrested her on 23 March 2022, a day after sharing a social media post criticizing security officials for making inquiries about her with her neighbors. She had also published an earlier post denouncing alleged corruption in the judiciary. The Casablanca court prosecutor charged her with «insulting a body regulated by law», «insulting public officials while carrying out their duties», «contempt of judicial decisions», and «broadcasting and distributing false allegations without consent» under articles 265, 263, 266 and 2-477 of the Penal Code, respectively. She was sentenced in April 2022 to two years’ imprisonment. Her sentence was later increased to 3 years on appeal in September 2022. She was released in July 2024 following a royal pardon.

During the proceedings in her latest prosecution, Saida El Alami and her lawyers raised concerns about violations of her fair trial rights, including restrictions on access to legal counsel as she was not able to see her lawyer for 48 hours when she was first arrested. On 14 July 2025, she undertook a hunger strike to protest her arrest and prosecution, which she considered arbitrary and linked to her human rights activism.

Saida El Alami’s unjust imprisonment reflects the continued use of criminal laws in Morocco to prosecute human rights defenders, journalists, bloggers, and activists simply for expressing their opinions. For example, prominent human rights lawyer and former Minister of Human Rights Mohamed Ziane has been imprisoned since November 2022 following convictions on charges that Amnesty International described as stemming from his work defending activists, journalists and victims of human rights violations. In April 2026, following a retrial ordered by the Court of Cassation, the Rabat Court of Appeal reinstated a five-year prison sentence against him in a separate case related to the alleged misappropriation of funds from the Moroccan Liberal Party, ensuring his continued imprisonment.

Saida El Alami’s imprisonment violates Morocco’s obligations under international human rights law. Morocco is a state party to the ICCPR, whose Article 19 protects the right to hold opinions without interference and the right to freedom of expression. The African Charter on Human and Peoples’ Rights, to which Morocco is also a party, similarly guarantees the right to express and disseminate opinions under Article 9. International human rights bodies have consistently affirmed that criticism of public officials, state institutions and government policies is protected speech and that no one should be arrested, prosecuted or imprisoned solely for peacefully expressing their views.

In March 2026, the UN Working Group on Arbitrary Detention concluded that the imprisonment of Saida El Alami is arbitrary and contrary to Morocco’s international human rights obligations. It called on the Moroccan authorities to immediately release her, provide her with an enforceable right to compensation and other reparations, and investigate the violations committed against her.

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Please take action before 9 January 2027.

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