«Unser Team ist aus einer Kritik am Fussballbusiness entstanden. Wir kritisieren vor allem, wie der Sport von den Eliten und den herrschenden Kreisen vereinnahmt wird», sagt Lola, Spielerin und Mitbegründerin des Fussballclubs FC Hardegger. Der Verein wurde 2022 von einer Gruppe von Freund*innen aus Lausanne gegründet und verdankt seinen Namen der Schweizer Feministin und Gewerkschafterin Margareth Faas Hardegger. Der Verein reiht sich in eine lange Tradition antifaschistischer europäischer Vereine ein, die sich gegen die Kommerzialisierung des Fussballs engagieren. Zu den bekanntesten zählen der FC Ménilmontant in einem Pariser Vorort, Sankt Pauli in Hamburg oder Spartak Lecce in Apulien. Alle haben ein klares Ziel: Dem Vormarsch der extremen Rechten in den Stadien entgegenzutreten, indem sie Werte wie Solidarität und Inklusion vertreten.
Ein bunt gemischtes Team
Auf dem Rasen dehnen sich etwa fünfzehn Personen und unterhalten sich fröhlich über ihr Freundschaftsspiel, das sie aus Solidarität mit der kubanischen Bevölkerung veranstalten. Das Team ist gemischt und für alle Spielstärken offen: Es setzt sich aus Personen mit unterschiedlichen Fussballkenntnissen zusammen, überwiegend aus jungen Erwachsenen. «Ich bin zum ersten Training gekommen und geblieben », sagt Laurence, die seit der Gründung Mitglied des FC Hardegger ist. Julien, ein anderer Spieler, ist begeistert über die gute Atmosphäre im Verein: «Ich fand es toll, dass ich Fussball spielen lernen konnte, ohne dass mich jemand für meine fehlenden Vorkenntnisse verurteilt.»
Für viele sind die Trainingseinheiten beim FC Hardegger ein Ort der Begegnung und des Austauschs. «Wir heissen auch Menschen mit Migrationshintergrund willkommen, die nicht so gut Französisch sprechen», sagt Lola.
Das Team besteht aber nicht nur aus Fussballneulingen. Maël etwa hat in der Kindheit Fussball gespielt, bevor er mit 15 aufhörte. «Die reguläre Fussballwelt passte nicht zu mir. Es gab zu viel Wettkampf, zu viel Druck», sagt er. Maël ist gemeinsam mit anderen Spieler*innen, die mehr Erfahrung mitbringen, für die Planung der wöchentlichen Trainings zuständig. Abwechselnd leiten ein oder mehrere Trainer*innen die Einheiten.
Die unterschiedlichen Niveaus der Spieler*innen stellen kein Problem dar, sondern stärken den Verein sogar. Denn es braucht mehr als nur Fussballkenntnisse, um einen erfolgreichen Verein zu führen: Es braucht Verantwortliche für die Kommunikation, für die Organisation von Veranstaltungen, für administrative Tätigkeiten und für die Pflege des Teamgeistes.
Nach dem Aufwärmen stürzt sich die Mannschaft in Cardio- und Technikübungen. «Los, super!», «Toll, weiter so!», hört man von allen Seiten des Stadions rufen. Hier steht die Freude am Zusammensein und gemeinsamen Training über dem Sieg im Spiel. In der Ligue Romande – der Amateurliga, der der FC Hardegger seit 2024 angehört – ist nur ein Preis von Bedeutung: der Fair-Play-Preis. «Der Preis geht an die Mannschaft mit der besten Stimmung und den wenigsten Strafen. Ich finde, das passt gut zu uns», sagt Laurence.
Der Ball als politisches Mittel
«Fussball ist ein Volkssport. Er lebt von den Emotionen, die er auslöst», sagt Lola. Sie schliesst sich der Gruppe an, der sie gerade für ein kleines Trainingsspiel zugeteilt wurde. Alle Spieler*innen nehmen ihre Position ein, ein Trainer pfeift das Spiel an, los geht’s.
«Der FC Hardegger ist mehr als nur ein Fussballverein», sagt Maël. «Für mich war der Beitritt zum Verein ein erster Schritt, um mich politisch zu engagieren.» Intern verpflichtet sich jede*r Spieler*in, antirassistische und antisexistische Werte zu respektieren und zu fördern. Das Team finanziert sich selbst durch freiwillige Beiträge seiner Mitglieder und durch den Verkauf seiner – mittlerweile unverkennbaren – Trikots mit den Slogans «Siamo tutti antifascisti» und «Niemand ist illegal» auf schwarz-violettem Hintergrund. «Im Moment generieren wir mit diesen Massnahmen genügend Geld. Sollten wir in Zukunft Sponsor*innen brauchen, müssen wir uns überlegen, wie wir sicherstellen, dass unsere Werte hochgehalten werden», sagt Lola.
Jedes Jahr organisiert der Verein mehrere Veranstaltungen mit politischen Forderungen: Freundschaftsspiele, Filmvorführungen über die Geschichte des Volksfussballs und vieles mehr stehen auf dem Programm. Alle Einnahmen werden an andere Vereine gespendet, etwa in Kuba oder dem besetzten palästinensischen Gebiet.
Der Sport wird so zu einem Ort der Mobilisierung. «Wir erreichen Menschen, die vielleicht nicht zu einer Demonstration oder einer Konferenz kommen würden», sagt Lola. Ihre jüngste Veranstaltung: ein antiimperialistisches Turnier mit zehn Amateurmannschaften, knapp eine Woche vor den ersten Spielen der Fussball-Weltmeisterschaft 2026.
Blick in die Zukunft
Die Uhr zeigt 18 Uhr an, das Training ist zu Ende. Die Spieler*innen versammeln sich in der Mitte des Spielfelds, tauschen ein paar Worte aus und gratulieren sich gegenseitig, bevor sie nach und nach das Stadion verlassen. Einige gehen nach Hause, andere lassen den Abend bei einem Drink in der Kantine ausklingen.
«Wir hätten nicht gedacht, dass die Begeisterung so gross sein würde», sagt Lola. Weil der FC Hardegger so erfolgreich ist, müssen neue Beitrittsanträge ablehnen. Eine Situation, die die Mitglieder dazu veranlasst, in Zukunft grösser zu denken. «Unser Ziel ist es, eine zweite Mannschaft aufzubauen», sagt Lola.
Vier Jahre nach seiner Gründung hat der Verein sowohl in der Amateurfussballszene der Romandie als auch im Vereinsleben von Lausanne einen wichtigen Platz erobert. Das beweist, dass ein Fussballclub ein Ort der Begegnung, der Solidarität und des Engagements sein kann. Und dass, wie der FC Hardegger in den sozialen Netzwerken verkündet, «Fussball ein Instrument des Kampfes und des Widerstands sein kann.»
Entdecken Sie jede Woche ein neues Porträt von einem Verein, der Fussball anders denkt und gestaltet. Nächste Woche geht es weiter mit einem anderen Verein aus der Umgebung von Lausanne, der diesmal von einer politischen Partei gegründet wurde.