Spieler*innen und Aktivist*innen der POP.
Beim FC POP gehen politisches Engagement und die Liebe zum Sport Hand in Hand. © FC POP
Sport und Politik

Der FC POP: Verbindung von Fussball und Politik

Alles begann mit einem Wahlkampf: Aus einer Parteikampagne für die eidgenössischen Wahlen entstand der Fussballklub FC POP, bei dem es nicht nur ums runde Leder geht, sondern auch ums Zusammenbringen von Menschen, die oft wenig Gehör finden.

Es ist ein schöner Tag, Anfang Frühling in Lausanne. Im leuchtend roten Trikot, mit Stollenschuhen an den Füssen spricht Djaouad ins Mikrofon. Das Video, das aufgenommen wird, zeigt das Fussballtor im Hintergrund und Spieler*innen, die zwischen den Partien des vom FC Hardegger organisierten Turniers eine Pause einlegen. über die Waadtländer Abstimmungen vom 14. Juni 2026 zum Thema Mindestlohn. Djaouad spricht über das Thema Mindestlohn, über das im Kanton Waadt am 14. Juni 2026 abgestimmt wird. Die Video-Aufnahme soll später auf dem Instagram-Kanal der Partei  «Parti Ouvrier et Populaire (POP)» gezeigt werden.

Screenshot vom Instagram-Account des FC POP, auf dem Djaouad Souyad über die Abstimmungen vom 14. Juni spricht.
Politik gehört einfach dazu: Djaouad Souyad meldet sich regelmäßig in den sozialen Netzwerken zu Wort. © FC POP

Der begeisternde Redner ist der Vize-Präsident der Waadtländer Sektion der Partei. Gemeinsam mit Luca, dem Präsidenten, gründete er den Arbeiter-Fussballklub FC POP während des Wahlkampfs für die eidgenössischen Wahlen 2023. «Wir hatten schon lange die Idee eines Fussballteams in unserer Partei. Während des Wahlkampfs schien der richtige Moment gekommen zu sein. Wir planten, einen Match gegen die Sozialdemokratische Partei zu spielen – als Teil unserer Wahlkampagne.» Es brauchte nur eine Whatsapp-Gruppe und schon traten einige Kollegen bei und der Klub war geboren.

Gemeinsame Leidenschaften

«Wenn du unsere Liebe für den Fussball und für soziale Gerechtigkeit teilst: Willkommen!» So lud Luca zum Mitmachen ein. Im Klub sind alle willkommen, nicht nur Parteimitglieder. Auch Sympathisant*innen oder einfach Fussballbegeisterte können mitspielen.

Den Klubmitgliedern ist es wichtig, dass der FC POP die Vielfalt lebt – auch bei der Alterszugehörigkeit. Obwohl das Team mehrheitlich aus jungen Erwachsenen besteht, heben einige Mitglieder den Altersdurchschnitt deutlich. «Wenn wir heute in der Garderobe ein Foto machen würden, sähe das altersmässig unerwartet aus», sagt Luca. «Es gibt nur wenige Orte, wo ein Gemeinderat, Mitte vierzig, und ein Jugendlicher, der noch in der Lehre ist, zusammenkommen – und das als Gleichgestellte». Einziger Wermutstropfen: die mangelnde Geschlechtervielfalt im Team. «Der Klub steht wirklich allen offen, doch leider ist dieser Sport immer noch sehr männlich geprägt.“


Ryad ist eines der neuen Mitglieder des FC POP. Er hatte einige Jahre lang keinen Fussball mehr gespielt, begann dann aber 2021 wieder damit. «Eines Tages schlug mir ein Freund vor, im FC POP mitzuspielen. Ich kannte damals die Partei nicht und fand die Sache etwas seltsam: Politische Propaganda mit Sport?» Doch er liess sich überreden.  «Warum nicht, dachte ich mir, dann spiele ich halt mit Kommunisten. Doch dann hat es mich sehr schnell gepackt», sagt er lachend. Trotz seiner anfänglichen Zurückhaltung haben ihn die Anliegen, die die Partei verfolgt, überzeugt. «Ich habe den umgekehrten Weg gemacht: Die Kollegen im Team kamen über die Politik zum Sport, bei mir war es genau andersrum», sagt er lachend, während er auf die anderen Kicker zeigt. In den acht Monaten, seit er dabei ist, hat er bereits an mehreren Spielen teilgenommen, die der Klub organisiert hat, so Solidaritätsmatches für die Menschen in DRC, Kuba oder auch Palästina.

Die roten Trikots des FC POP hängen in den Umkleideräumen.
Auf den roten Trikots des FC POP ist auf dem einen Ärmel die palästinensische Flagge und auf dem anderen die kubanische Flagge abgebildet. © FC POP

«Lust, Fussball zu spielen?»

Vor dem nächsten Match dieses Turniers, schwört Diaouad sein Team ein: «Wenn ein Mitspieler einen Fehler macht, dann macht ihm Mut. Ein Fehler kann immer passieren. Nur gemeinsam kommen wir weiter! » Auf dem Spielfeld wie auch innerhalb der Partei habe der Zusammenhalt oberste Priorität. «Selbst ein Weltstar wie Neymar gewinnt ein Fussballspiel nicht allein. Wenn es keine Harmonie gibt, keinen Teamgeist, kein gemeinsames Ziel, dann funktioniert es einfach nicht».

Daran wird deutlich, worin der FC POP die Verbindung zwischen Fussball und Solidarität sieht. «Fussball ist ein starkes Instrument, um Menschen aus allen Bevölkerungsschichten zusammen zu bringen», sagt Luca. Das gemeinsame Spiel stärke die Bindung zwischen den Spielern und schaffe ein Gefühl der Zugehörigkeit. «In Zeiten, da Ungleichheiten zunehmen, da es einen gewalttätigen Imperialismus gibt, die extreme Rechten einen Aufschwung erlebt und die Spaltung in der Bevölkerung mit Rassismus und Sexismus  gefördert wird, finde ich, dass der Fussball eine unserer politischen Waffen sein kann: Wir können ihn einsetzen, um diesen zerstörerischen Kräften entgegenzustehen, die uns auseinandertreiben wollen», sagt Djaouad. «Auf dem Platz sind wir keine Individuen, sondern ein elfköpfiges Kollektiv.» Das Fussball- Spielen ermöglicht es zudem den zeitlich sehr beanspruchten Parteiaktivist*innen, ausserhalb von Parteisitzungen engere Kontakte zu knüpfen. Der Sport sei zudem ein gutes Mittel, auch um neue Mitglieder enger an POP zu binden. «Lust, Fussball zu spielen?» ist eine der ersten Fragen, die Djaouad und Luca neuen Parteimitgliedern stellen.

Die Spieler*innen des FC Hardegger und des FC POP betreten das Spielfeld.
Fussball spielt man gemeinsam: Die Vereine aus der Romandie treffen sich oft zu spielen. © FC Hardegger

Auf Augenhöhe

Der FC POP fungiert innerhalb der Partei als erfolgreiches Mittel, um den Kontakt zu älteren Mitgliedern zu pflegen und mehr über die politischen Praktiken von früher zu erfahren. «Unsere älteren Genoss*innen erzählen uns gerne, wie sie damals aktiv waren», sagt Luca. «Sie standen mit Flugblättern vor den Fabriktoren und versuchten, die Arbeiter*innen zu erreichen, indem sie mit ihnen redeten. Doch die Welt hat sich verändert, die Schweizer Fabriken von damals gibt es nicht mehr. Heute müssen wir neue Wege finden, wie wir die Menschen ansprechen und erreichen können.»

Mit den arbeitenden Klassen über Politik zu sprechen, sei das eine – dies ohne Herablassung zu tun, etwas anderes. Djaouad sieht es als einen zentralen Wert des POP an, dass auf jegliche  moralisierende Haltung gegenüber den Wähler*innen verzichtet wird. «Anstatt den Leuten vorzuwerfen, dass sie politisch nicht aktiv sind oder die falsche Partei wählen, laden wir sie zum gemeinsamen Spiel ein. Ebenso behandeln wir die Jugendlichen aus den Quartieren nicht von oben herab, sondern sprechen mit ihnen auf Augenhöhe.»

Dieser Ansatz funktioniert offenbar. Einer der Freunde von Luca, Djaouad und Ryad ist zunächst dem Fussball-Team beigetreten, dann der Partei … Inzwischen wurde er in den Lausanner Gemeinderat gewählt. «Das ist doch der beste Beweis dafür, dass der Fussball ein hervorragender Weg sein kann, um Menschen zu politisch Handelnden zu machen!»

Am kommenden Montag verlassen wir die schönen Ufer des Lémans und machen uns auf den Weg nach Bern. Dort besuchen wir einen Verein, der den Fussball als Mittel zur sozialen Integration nutzt.