Der starke Anstieg der Hinrichtungen, der im Bericht Death Sentences and Executions 2025 dokumentiert wird, geht vor allem auf wenige Länder zurück, deren Regierungen die Todesstrafe gezielt einsetzen, um die Bevölkerung einzuschüchtern und ein Klima der Angst zu schaffen. Die Behörden der Islamischen Republik Iran, die vornehmlich für den Anstieg verantwortlich sind, haben im Jahr 2025 mindestens 2159 Menschen hingerichtet – mehr als doppelt so viele wie 2024. In Saudi-Arabien wurden mindestens 356 Menschen hingerichtet, häufig im Zusammenhang mit Drogendelikten. Die Zahl der Hinrichtungen in Kuwait hat sich fast verdreifacht (von 6 auf 17), während sie sich in Ägypten (von 13 auf 23), Singapur (von 9 auf 17) und den USA (von 25 auf 47) nahezu verdoppelte.
Insgesamt stiegen die Hinrichtungen um 78 % gegenüber 2024, als mindestens 1’518 Todesurteile vollstreckt wurden. Nicht erfasst sind dabei die Hinrichtungen in China, die Schätzungen von Amnesty International zufolge in die Tausende gehen. Damit bleibt China das Land mit den meisten Hinrichtungen weltweit. Das tatsächliche Ausmass bleibt jedoch unklar, da entsprechende Daten als Staatsgeheimnis gelten.
«Der alarmierende Anstieg bei der Anwendung der Todesstrafe geht auf eine kleine Gruppe von Staaten zurück, die trotz des anhaltenden globalen Trends zur Abschaffung der Todesstrafe weiterhin daran festhält. [...] Diese Staaten setzen die Todesstrafe gezielt ein, um Angst einzuflössen, abweichende Meinungen zu unterdrücken und ihre Macht über benachteiligte und marginalisierte Gruppen zu demonstrieren.»
Internationale Generalsekretärin von Amnesty International
In einigen Ländern haben Strafmassnahmen im «Kampf gegen Drogen» die Ausweitung der Todesstrafe weiter vorangetrieben. Dies spiegelt sich in den Zahlen wider: Fast die Hälfte (1257 bzw. 46 %) aller bekannten Hinrichtungen stand im Zusammenhang mit Drogendelikten – in China (Anzahl unbekannt), Iran (998), Kuwait (2), Saudi-Arabien (240) und Singapur (15). Algerien, Kuwait und die Malediven legten Gesetzesentwürfe vor, um den Anwendungsbereich der Todesstrafe auf Drogendelikte auszudehnen.
Die Regierung von Burkina Faso nahm eine Gesetzesvorlage an, die die Wiedereinführung der Todesstrafe für Straftaten wie «Hochverrat», «Terrorismus» und «Spionage» vorsieht. Die Behörden im Tschad und in Peru setzten eine Kommission ein, um die Möglichkeit der Wiedereinführung der Todesstrafe zu prüfen; und das israelische Parlament (Knesset) stimmte einer diskriminierenden Ausweitung der Anwendung der Todesstrafe zu, die ausschliesslich auf Palästinenser*innen zielt.
Zahlen und Fakten aus dem Todenstrafenbericht 2025
Wo finden nach wie vor Hinrichtungen statt?
Die Zahl der Hinrichtungen stieg 2025 rapide an, aber nur eine begrenzte Anzahl von Ländern war dafür verantwortlich. Insgesamt wurden noch in 17 Ländern der Welt Exekutionen registriert, und zwar in Afghanistan, Ägypten, China, Iran, Irak, Jemen, Japan, Kuwait, Nordkorea, Saudi-Arabien, Singapur, Somalia, Sudan, Taiwan, Vereinigte Arabische Emirate, USA und Vietnam.
In anderen Weltregionen sind jedoch auch gegenläufige Entwicklungen zu beobachten. In Europa und Zentralasien wurden 2025 weder Todesurteile verhängt noch Hinrichtungen vollstreckt. Im 17. Jahr in Folge waren die USA das einzige Land auf dem amerikanischen Kontinent, in dem Menschen hingerichtet wurden – fast die Hälfte davon in Florida. In Subsahara-Afrika beschränkten sich die Hinrichtungen auf Somalia und Südsudan. In Südasien war Afghanistan das einzige Land mit vollstreckten Todesurteilen, und in Südostasien betraf dies nur Singapur und Vietnam. In der Pazifikregion war Tonga das einzige Land, in dem die Todesstrafe weiterhin gesetzlich vorgesehen ist.
«Es ist an der Zeit, dass die Länder, in denen nach wie vor Hinrichtungen vollstreckt werden, mit dem Rest der Welt gleichziehen und diese Praxis endgültig aufgeben. Die Todesstrafe macht unsere Welt nicht sicherer – sie ist ein Angriff auf die Menschlichkeit, der von Angst getrieben ist und die internationalen Menschenrechte missachtet», sagt Agnès Callamard.
Die Abschaffung der Todesstrafe ist das Ziel
Als Amnesty International 1977 seine Arbeit gegen die Todesstrafe aufnahm, hatten nur 16 Staaten weltweit die Todesstrafe abgeschafft. Heute sind es 113 – mehr als die Hälfte aller Länder der Welt. Insgesamt haben sogar mehr als zwei Drittel aller Staaten die Todesstrafe gesetzlich oder in der Praxis abgeschafft.
Trotz wachsender Repression in vielen Ländern der Welt gab es 2025 auch positive Entwicklungen in einzelnen Ländern, die zeigen, dass eine globale Abschaffung der Todesstrafe mit Ausdauer und entschlossenem Einsatz möglich ist.
So haben die Behörden in Vietnam die Todesstrafe für acht Straftaten abgeschafft, darunter Drogentransport, Bestechung und Veruntreuung. Gambia schaffte die Todesstrafe für Mord, Hochverrat und andere Straftaten gegen den Staat ab. In einem historischen Schritt begnadigte die Gouverneurin von Alabama, Kay Ivey, Rocky Myers – die erste Begnadigung eines Schwarzen Menschen im Todestrakt in diesem US-Bundesstaat.
Im Libanon und in Nigeria wurden Gesetzesentwürfe zur Abschaffung der Todesstrafe eingebracht, und in Kirgisistan erklärte das Verfassungsgericht Versuche zur Wiedereinführung der Todesstrafe für verfassungswidrig.
«Trotz der weltweiten Bedrohung der Menschenrechte setzen Millionen von Menschen ihren Kampf gegen die Todesstrafe jedes Jahr fort und setzen damit ein eindrückliches Zeichen für Menschlichkeit», sagte Agnès Callamard. «Die weltweite Abschaffung der Todesstrafe ist möglich, wenn wir gemeinsam Druck auf die wenigen Staaten ausüben, die immer noch Menschen hinrichten. Unser Einsatz darf nicht nachlassen, bis die Todesstrafe überall überwunden ist.»