Sport und Politik

IFCB : Fast eine Familie

Seit fast fünf Jahren bringt ein Fussballclub in Bern rund vierzig Spieler aus aller Welt zusammen. Das Motto heisst: Diversität, Respekt und Freundschaft.

Eigentlich war Fussball nicht gerade Nouranes bevorzugte Sportart. «Als ich in der Schweiz ankam, habe ich zunächst in einem Handballverein mitgemacht. Das war ganz nett. Was mir aber fehlte, war die sogenannte dritte Halbzeit!», erzählt er lachend. Was er damit meint, ist das gemeinsame Zusammensein nach dem Spiel. Um diesem Bedürfnis etwas entgegenzusetzen, gründete er kurzerhand einen eigenen Klub: den International Football Club of Berne (IFCB), dessen Präsident er mittlerweile ist.

Inzwischen ist dieser Klub ein richtiger Verein, der in der ersten Liga der Alternativen Fussballliga Bern spielt einer Amateur-Liga mit rund zwanzig Teams aus der Region Bern. «Es ist eine grosse Herausforderung, dieses hohe Niveau zu halten. Aber wenn wir eines Tages absteigen sollten, wäre das auch nicht schlimm», sagt Nourane. Denn das Wesentliche im Klub sei sowieso etwas anderes.

In der Mannschaft, deren Spieler aus 16 verschiedenen Nationen stammen, wird während den Trainings und an weiteren Anlässen zumeist Englisch gesprochen. Auf der Website des IFCB stehen neben dem Logo – einem Ball, dessen Rauten die Kontinente formen – die Flaggen der Ukraine, Spaniens, Indonesiens, der Schweiz, Frankreichs, Ägyptens, des Libanon und sogar Australiens.

Screenshot der IFCB-Website.
Das IFCB ist stolz darauf, Leute aus der ganzen Welt zusammenzubringen. © IFCB

Gegenseitige Unterstützung

«Ich komme aus dem Ausland. Dieser Klub hat mir ermöglicht, hier Leute kennenzulernen und in der Gesellschaft anzukommen», erzählt Anatolii, ein ukrainischer Spieler, der seit vier Jahren Mitglied des IFCB ist. Für Zhandos, der vor zwei Jahren aus Kasachstan kam, war es die schon im Namen des Klubs erkennbare internationale Ausrichtung, die ihn zum Mitmachen motivierte, und die es ihm erleichterte, sich besser zu fühlen und Fussball spielen zu können.

Tatsächlich stammt die Mehrheit der Spieler nicht aus Bern und auch nicht aus der Schweiz: Einige sind wegen der Arbeit hier, andere kamen als Geflüchtete ins Land.

Die WhatsApp‑Gruppe des IFCB hat sich zu einem alltäglichen Unterstützungsnetz entwickelt: Dort werden Tipps für das Leben in der Schweiz geteilt, Ratschläge zu administrativen Schritten ausgetauscht, Hilfe bei der dringenden Suche nach einem Babysitter geleistet oder helfende Hände für einen Umzug organisiert. Doch das Hauptziel bleibt die Geselligkeit – sei es, «gemeinsam Geburtstage zu feiern oder zusammen Champions-League-Spiele zu schauen», sagt Nourane. «Jeder Anlass ist Grund genug, um zusammen zu feiern!» So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass einer der Hauptsponsoren des Klubs ein irisches Pub ist.

Mit der Zeit sind innerhalb der Gruppe starke und dauerhafte Freundschaften entstanden. «Ich spiele gern in diesem Team», sagt Mohammed, ein ägyptischer Spieler der ersten Stunde, mit einem breiten Lächeln. «In dieser Atmosphäre fühle ich mich wie in einer Familie.»

Die Mitglieder des IFCB und ihre Partnerinnen veranstalten ein Grillfest am Flussufer.
Grillfest des IFCB: Zum Leben in Bern gehört es einfach, an der Aare Zeit zu verbringen. © IFCB

Für alle offen

Für den Klub steht die Inklusion im Zentrum seiner Werte. «Es ist uns wichtig, dass sich alle willkommen fühlen», sagt Nourane. «Bei uns wird nicht nach Herkunft, Religion, Hautfarbe, Geschlecht oder Alter unterschieden.» In der Praxis bleibt der Klub zwar mehrheitlich männlich, vereint aber sehr unterschiedliche Generationen, Nationalitäten und Lebenswege.

Die Aktivitäten werden von einem vierköpfigen Komitee betreut, das die Fäden in der Hand hält – jedoch ohne starre Strukturen. «Wir beschreiben uns gern als ein fröhliches Durcheinander», scherzt der Präsident. «Unsere Struktur ist etwas vage, aber so funktioniert es gut. Der Klub ist so vielfältig wie die Menschen, die ihn ausmachen.»

Diese Offenheit zeigt sich auch in einem konkreten Engagement gegen Diskriminierung. Dazu gehören die Zusammenarbeit mit der Stadt Bern gegen Rassismus oder die jährliche Teilnahme des IFCB am Berner Antira-Cup, einem Sommerturnier gegen Rassismus. «Wir möchten mehr, als einfach nur Fussball spielen. Wir setzen uns für Anliegen ein, die uns wichtig sind», sagt Nourane. «Ziel ist es, ein Gleichgewicht zu finden: in der 1. Liga bleiben und gleichzeitig an Freundschafts-Spielen und Events teilnehmen, die für aus unserer Sicht richtige Anliegen stehen.»

Respekt als Motto

«Wir wollen uns wirklich vom Fussball der Fifa, wie man ihn im Fernsehen sieht, djstanzieren», sagt der Nourane. «Da werden die Schiedsrichter teilweise niedergebrüllt, Spieler*innen und Fans reagieren aggressiv und werden gar handgreiflich – das ist einfach unsportlich.»

Bei den Trainings des IFCB herrscht ein ganz anderer Ton. Gewalt wird auf dem Platz in keiner Form toleriert. Kommt es im Spiel zu einem harten Kontakt oder zu einem Foul, wird die Situation rasch entschärft. «Wenn man sich sofort entschuldigt, läuft alles gleich viel besser», betont Nourane. «Es gibt nie einen Grund, sich anzuschreien.» Die Spieler leben diese Philosophie nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Vereinsalltag. 

Der gegenseitige Respekt bedeutet auch, den Ideen der anderen zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Jedes Mitglied kann ein Anliegen einbringen – sei es, dass es als Trainer einsteigen möchte, jemand ein Turnier vorbereiten will oder einen Grillabend an der Aare organisiert werden soll. Das Komitee stellt für solche Ideen nur eine Bedingung: Es muss eine gute Stimmung herrschen!

Ein Kind spielt mit den Spielern des IFCB.
Der Nachwuchs macht sich bereit: Zu den Festessen zum Jahresende sind die Familien stets eingeladen. © IFCB

Bleiben wir nächste Woche in Bern und lernen wir einen der Gründervereine der alternativen Frauenliga kennen!