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Urgent Action − Kolumbien

Drohungen gegen Menschenrechtsorganisation CREDHOS untersuchen!

Am 1. Juni wurde in der Gemeinde Puerto Wilches in der Region Magdalena Medio ein Flugblatt verteilt, das angeblich von der bewaffneten Gruppe Autodefensas Conquistadoras de la Sierra Nevada (ACSN) stammte. Darin wurde mehreren Menschen in Puerto Wilches mit dem Tod gedroht. Zu den bedrohten Personen gehörten auch mehrere Mitglieder der Menschenrechtsorganisation CREDHOS.

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Adressen

Luz Adriana Camargo
Fiscal General
Fiscalía General de la Nación
Avenida Calle 24 No. 52 – 01
Bogotá D.C., Colombia

E-Mail: direccion.derechoshumanos@fiscalia.gov.co

Twitter/X: @FiscaliaCol

Kopien an 

Botschaft der Republik Kolumbien
Zieglerstrasse 29
3007 Bern

Fax: 031 350 14 09
E-Mail: esuiza@cancilleria.gov.co

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Hintergrund

Die Bedrohung des Lebens und der Sicherheit von Menschenrechtsverteidiger*innen, insbesondere von Mitgliedern der zivilgesellschaftlichen Organisation Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos (CREDHOS) in der Gemeinde Puerto Wilches im Departamento Santander in der Region Magdalena Medio, gibt grossen Anlass zur Sorge.

Am 1. Juni wurde ein Flugblatt verteilt, das angeblich von der bewaffneten Gruppe Autodefensas Conquistadoras de la Sierra Nevada (ACSN) stammte. Darin wurden mehrere Personen in Puerto Wilches zu «militärischen Zielen» der Gruppe erklärt und aufgefordert, die Gemeinde innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Zu den Bedrohten gehörten auch Mitglieder des örtlichen Menschenrechtsgremiums von CREDHOS.

Das Flugblatt ist Teil einer ganzen Reihe von Drohungen und Angriffen, die in den letzten Monaten von bewaffneten Gruppen in der Region Magdalena Medio verübt wurden, darunter auch von der paramilitärischen Gruppe Ejército Gaitanista de Colombia (EGC). Die Angriffe richteten sich gegen Mitglieder von CREDHOS und wirkten sich unmittelbar auf ihre Arbeit zum Schutz der Menschenrechte in den Gemeinden der Departamentos Santander, Bolívar und Antioquia aus, die zur Region Magdalena Medio gehören.

Seit Jahren dokumentiert Amnesty International sowohl die Menschenrechtsarbeit von CREDHOS als auch die Risiken, denen die Mitglieder der Organisation ausgesetzt sind. Sie werden immer wieder angegriffen, weil sie sich für die Menschenrechte der Gemeinden in Magdalena Medio einsetzen. Die kolumbianischen Behörden gehen auch weiterhin nur unzureichend dagegen vor.

Die Region Magdalena Medio umfasst ein ausgedehntes Tal in den kolumbianischen Bergen, das vom grössten Fluss Kolumbiens, dem Río Magdalena, durchzogen ist. Erdöl ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen in der Region. Die Stadt Barrancabermeja liegt im Herzen von Magdalena Medio in der Provinz Santander. Dort wird die grösste Raffinerie des Landes betrieben. In dem Gebiet gibt es ausserdem Agrarindustrie, Bergbau und Viehzucht sowie weitere Wirtschaftszweige. Aufgrund der fruchtbaren Böden und des Reichtums an wertvollen Ressourcen wie Öl und Wasser gilt die Region Magdalena Medio im Norden Kolumbiens als strategisch wichtig, und es kommt dort immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Stellen und bewaffneten Gruppen. In der Region Magdalena Medio haben eine basisdemokratische Organisierung und der Einsatz für die Menschenrechte seit Jahrzehnten Tradition. Die Kombination aus gewerkschaftlicher Organisation, feministischen und zivilgesellschaftlichen Bewegungen sowie der Verteidigung der Menschenrechte hat zu besonders starken Strukturen der Selbstbehauptung und des Widerstands geführt. Dieser Einsatz gegen verschiedene Formen von Ungerechtigkeit einerseits sowie der Streit um die territoriale, politische und wirtschaftliche Kontrolle in der Region zwischen verschiedenen – auch bewaffneten – Interessengruppen andererseits haben einen Nährboden für Gewalt gegen Menschenrechtsverteidiger*innen geschaffen, die seit den 1980er-Jahren, wenn nicht schon länger, anhält. In den letzten Jahren wurden in Magdalena Medio alarmierend hohe Zahlen an Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung, insbesondere von Tötungsdelikten, verzeichnet.

All dies spielt sich vor dem Hintergrund eines Konflikts zwischen mehreren bewaffneten Gruppen ab, die in der Region aktiv sind. Diese reichen von der Nationalen Befreiungsarmee (Ejército De Liberación Nacional, ELN) und Gruppen, die nach der Demobilisierung der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo [FARC-EP], heute als FARC-Dissident*innen bekannt) im Jahr 2016 entstanden sind, bis zu bewaffneten Gruppen, die sich nach der Demobilisierung der ehemaligen paramilitärischen Gruppen Mitte der 2000er-Jahre gebildet haben, darunter die Gruppe Ejército Gaitanista de Colombia (EGC), auch bekannt als AGC oder Clan del Golfo. Neu hinzugekommen ist die Gruppe Autodefensas Conquistadoras de la Sierra Nevada (ACSN), die eigentlich im Norden Kolumbiens aktiv ist, jüngsten Berichten zufolge jedoch in Richtung Süden in die Region Magdalena Medio vorrückt.

Die unabhängige Menschenrechtsorganisation CREDHOS (Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos), mit Sitz in Barrancabermeja, wurde 1987 gegründet. Amnesty International beobachtet ihre Lage schon seit mehreren Jahren. Im Jahr 2000 ordnete die Interamerikanische Menschenrechtskommission (IACHR) aufgrund von Bedrohungen durch paramilitärische Gruppen Schutzmassnahmen für CREDHOS an. Im Jahr 2016 erkannte die Opferabteilung der kolumbianischen Regierung CREDHOS als Organisation an, der kollektive Wiedergutmachung zusteht, da ihre Mitglieder schwere Menschenrechtsverletzungen erlitten haben. Im englischsprachigen Bericht Hope at Risk von 2023 hat Amnesty International die Menschenrechtsarbeit von CREDHOS sowie die Risiken und Gefahren, der die Organisation wegen dieser Arbeit ausgesetzt ist, dokumentiert.

Amnesty International bestätigt, dass Mitglieder von CREDHOS weiterhin bedroht und angegriffen werden, insbesondere im Zusammenhang mit der Präsenz bewaffneter Gruppen in ihrem Einsatzgebiet. Die Organisation warnt bereits seit mindestens 2015 vor dieser Situation und dokumentiert fortlaufend entsprechende Vorfälle, unter anderem in den Jahren 2021, 2023, 2024 und 2025.

CREDHOS wies auf jüngste Einsätze der kolumbianischen Polizei und der Generalstaatsanwaltschaft gegen die EGC hin, darunter die Festnahme eines als «Bernabé» bekannten Mannes im September 2024. Ihm wird vorgeworfen, für den Mord an Filadelfo Anzola, einem Menschenrechtsverteidiger und CREDHOS-Mitglied, verantwortlich zu sein.

Zugleich macht CREDHOS auf die mutmassliche Mitwirkung aktiver und ehemaliger Angehöriger der Streitkräfte in der EGC aufmerksam. So wurde im September 2024 bei einer Polizeioperation gegen die EGC «Zeus» getötet, ein ehemaliger Soldat, der zuvor als Zeuge vor der Sondergerichtsbarkeit für den Frieden zugelassen war und von CREDHOS als EGC-Kommandant in der Region Magdalena Medio benannt worden war. Ebenfalls festgenommen wurde der pensionierte Oberst José Alejandro Castro Cadavid, der bis 2022 im aktiven Dienst stand und laut Generalstaatsanwaltschaft als EGC-Kommandant im Süden des Departamento Bolívar tätig gewesen sein soll.

Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum | Aktualisiert am:
Index:
UA 060/26
15.06.2026
AMR 23/1105/2026
Voraussichtlich mitmachen bis: 5. September 2026
Ganze Urgent Action (Word): deutsch
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
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español

Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.

English version

Investigate threats against NGO CREDHOS

On 1 June, a leaflet supposedly signed by the armed group Autodefensas Conquistadoras de la Sierra Nevada (ACSN) was publicly distributed, threatening the lives of several people in Puerto Wilches, a municipality in the Santander department, in Colombia’s Magdalena Medio region. Those threatened included several members of the human rights NGO CREDHOS. We call on the Attorney General to carry out prompt, thorough and effective investigations into those responsible for these threats, bring them to justice, and prevent further attacks against people defending human rights in Magdalena Medio.

The Magdalena Medio is an extensive valley between the Colombian mountain ranges crossed by Colombia's main river, the Magdalena River. Oil is one of the major sources of economic activity in the region, where the country's largest refinery operates in the city of Barrancabermeja, Santander, at the heart of the Magdalena Medio. The area also engages in agro-industry, mining, livestock, among other economic activities. Due to its location and the abundance of valuable resources like oil and water, the region is considered strategic and has been the subject of continuous disputes between the State and armed groups present in the country. The Magdalena Medio has also been a stage for sustained processes of popular mobilization and human rights advocacy for decades. The combination of unions, feminist, popular movements, and human rights defence has created particularly strong scenarios of assertion and resistance. This, coupled with the dispute for territorial, political, and economic control of the region by interest groups and armed factions, has fostered a breeding ground for violence against human rights defenders that has persisted since at least the 1980s. Alarming figures of violence against the civilian population, especially homicides, have been recorded in the Magdalena Medio during the last years.

All of this unfolds in a context of conflict between several armed groups present in the region, ranging from the National Liberation Army (ELN) guerrilla and groups formed after the demobilisation of the Revolutionary Armed Forces of Colombia – Army of the People (FARC-EP) guerrilla in 2016 (known to-day as FARC dissidents), to armed organisations formed after the demobilisation of the former paramilitary groups in the mid-2000s, which include the Ejército Gaitanista de Colombia (EGC), also known as AGC or Clan del Golfo; and more recently the Autodefensas Conquistadoras de la Sierra Nevada (ACSN), from northern Colombia but recently reported to advance towards the south to the Magdalena Medio region.

The Regional Corporation for the Defence of Human Rights (CREDHOS), based in Barrancabermeja, was founded in 1987 and Amnesty International has monitored its situation for several years. In the year 2000, the Inter-American Commission on Human Rights (IACHR) issued precautionary measures to CREDHOS due to threats from paramilitary groups. In 2016, the Colombian Government's Victims Unit recognized CREDHOS as a subject of collective reparation for having suffered, as a collective, serious human rights violations. Amnesty International’s report Hope at risk of 2023 documented CREDHOS work defending human rights and the risk and threats faced by the organization because of its work.

CREDHOS has highlighted recent operations of the Colombian police and of the General Attorney Office against the EGC, for example, the capture of AKA «Bernabé» in September 2024, accused of being responsible of the murder of Filadelfo Anzola, a human rights defender member of CREDHOS. But CREDHOS analysis emphasises the involvement of members and retired members of the military forces in the armed group EGC. For instance, in September 2024 a Police operation against the EGC resulted in the killing of AKA «Zeus», a retired member of the Army of Colombia, who until August had been accepted to testify before the transitional justice tribunal (the Special Jurisdiction for Peace – JEP) and who had previously been denounced by CREDHOS as a commander of the EGC in the Magdalena Medio region. Also, the capture by the police of the retired colonel of the Army of Colombia José Alejandro Castro Cadavid, who was an active member of the Army until 2022, and is accused by the General Attorney Office of being a commander of the EGC in the south of the Bolivar department, an area that is part of the Magdalena Medio region.

Amnesty International has confirmed that the threats and victimization of individuals belonging to CREDHOS as a collective have persisted in recent years, in the context of the presence of armed groups in the territory where it works. Amnesty International has warned about this kind of threats issuing urgent actions since at least 2015, with concerning events of threats occurring again in 2021, 2023, 2024 and 2025, involving threats and attacks from different armed groups.

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Please take action before 5 September 2026.

You'll find all necessary adddress- and social media information above. English model letter as a Word-file.