Selbst für einige seiner Mitglieder ist es schwierig, genau zu erklären, wer Penthesilea ist. “Wir haben diesen Namen im Laufe der Jahre einfach alle akzeptiert. Jetzt steht er für uns“, sagt Lo, Gründungsmitglied des Vereins. Das Bild der Königin der Amazonen, das bei der Gründung des Vereins im Jahr 2008 wegen seiner symbolischen Kraft gewählt wurde, ist nach und nach dem Bild einer geschlossenen, ehrgeizigen und entschlossenen Mannschaft gewichen.
Ein starkes weibliches Vorbild – genau das möchte der Verein Frauen und Mädchen bieten, die mit dem Fussball beginnen möchten. Ziska erinnert sich an ihren Werdegang. Als Kind wurden ihr in ihrem Dorf die Türen zum lokalen Vereinen verschlossen: „Kein Platz für Mädchen“, hiess es. Ziska verbrachte Jahre damit, auf dem Pausenhof mit den Jungen zu spielen. Als sie 2009 nach Bern kam, hörte sie vom Verein Penthesilea und erschien schüchtern zu einem ersten Training. Lo und andere Teamkolleginnen nahmen sie sofort mit offenen Armen auf. Seitdem ist Ziska nicht mehr aus dem Verein wegzudenken.
Den Weg weisen
Die ersten Mitglieder des Teams haben zur Gründung der Alternativen Frauen-Fussballliga in Bern beigetragen. Lo erinnert sich daran, in gemischten Mannschaften – mit starker männlicher Dominanz – gespielt zu haben, bevor einer ihrer Mitspieler sie und zwei Freundinnen dazu ermutigte, einen eigenen Verein zu gründen. „Die Grundidee war, uns nicht auf traditionelle Vereine zu beschränken, sondern uns politisch zu engagieren, gemeinsame Projekte durchzuführen … Und vor allem, Spass zu haben und zusammen zu sein“, sagt Lo.
Im Jahr 2010 gründeten Penthesilea und zwei weitere, ebenfalls noch junge Frauenvereine die Alternative Frauenliga. Im Laufe der Jahre wuchs das Projekt. Heute treffen sich an sieben Spieltagen pro Saison fast neun Mannschaften im Allianz Stadion in Bern. Hinzu kommen weitere Grümpelturniere – „Meisterschaften zum Spass“, wie Anina sagt. Die 25-jährige Zürcherin ist vor fast drei Jahren während ihrem Studium in Bern dem Verein Penthesilea beigetreten.
Laut Anina hatte der Boom des Frauenfussballs für die breite Öffentlichkeit – wie die Weltmeisterschaft oder die EM – einen positiven Effekt auf junge Mädchen: Es gibt nun Vorbilder, mit denen man sich identifizieren kann und die es ermöglichen, eine professionelle Sportkarriere ins Auge zu fassen. Dennoch fragt sie sich: „Sollte man das Modell des Profifussballs, bei dem es um Geld und Leistung geht, einfach kopieren?“ Und antwortet fast augenblicklich: „Penthesilea zeigt, dass es auch anders geht.“
Ein reibungsloser Ablauf
Im Verein kommt und geht jede nach ihrem eigenen Rhythmus. Etwa ein Dutzend regelmässige Spielerinnen – höchstens zwanzig – betreten jeden Montag den grünen Rasen, der hinter einem Sportzentrum in der Innenstadt versteckt liegt. Offiziell anmelden muss man sich zu den Trainings nicht. Das Niveau der Spielerinnen variiert, von Anfängerinnen bis zu erfahrenen Spielerinnen ist alles dabei. Lo betont: „Einer unserer wichtigsten Werte ist es, so offen wie möglich zu bleiben, damit jede Interessierte einfach vorbeikommen und mit uns spielen kann.“ Diese wohlwollende Atmosphäre spornt jede einzelne Spielerin dazu an, ihr Bestes zu geben. „Das oberste Ziel ist immer, Spass zu haben, aber mit einer kleinen Portion Ehrgeiz. Diese Balance schätze ich sehr“, sagt Anina.
Das Team, das nun als Verein organisiert ist, trifft Entscheidungen gemeinsam. Finanzielle Ansprüche auf Gewinne hat man keine – lediglich die jährliche Anmietung des Spielfeldes muss gedeckt werden. Der Verein möchte für alle zugänglich bleiben: „Wenn jemand nicht zahlen kann, muss er es auch nicht. Wenn jemand hingegen mehr beitragen möchte, ist das immer willkommen“, fasst Anina zusammen. Unabhängig von der Dauer der Mitgliedschaft oder dem Leistungsniveau kann jedes Mitglied Ideen oder Änderungen in der internen Organisation vorschlagen. „Nichts ist in Stein gemeisselt“, sagt Ziska. „Wir sind immer offen für den Dialog, um über unsere Wünsche und Werte zu sprechen. Wir können viel voneinander lernen.“
Im Wandel der Zeit
Die ältesten Mitglieder erinnern sich noch an eine Institution, die es heute nicht mehr gibt: den Penthi-Cup, ein Turnier, das auf der Website der Berner Alternativliga als „legendär“ bezeichnet wird. Vor einigen Jahren konnte es nicht stattfinden. Einige Organisatorinnen bekamen Kinder oder zogen aus Bern weg, und seitdem ist die Tradition verloren gegangen. „Aber ich werde heute noch darauf angesprochen und gefragt, wann der nächste Penthi-Cup stattfindet“, sagt Ziska nostalgisch.
Trotz zahlreicher Veränderungen im Laufe der Zeit floriert der Verein weiterhin. Vielleicht liegt das daran, dass jeder Einzelnen und ihren Bedürfnissen grosse Bedeutung beigemessen wird. Anina nennt ein Beispiel: „Wenn eine Spielerin kommen möchte, aber früher gehen muss, um ihre Kinder abzuholen, haben alle Verständnis dafür! Es ist immer schön, wenn sie kommt, auch wenn es nur für kurze Zeit ist.“
Eines hat sich trotz des Wechsels im Kader nie geändert: Lo nennt es den „Penthesilea-Geist“. „Es kommen neue Leute hinzu, aber die Einstellung bleibt immer dieselbe. Wir spielen hier nicht nur Fussball, wir knüpfen Verbindungen, die Bestand haben und gut tun.“
Nächsten Montag sind wir schon am Ende angelangt! Wir kehren nach Lausanne zurück, um diese Serie mit einer Sportveranstaltung abzuschließen, über die in den Medien ausführlich berichtet wird...